23 Seißen-Wirth

Dorfkneipe über Jahrhunderte

Die Aufzeichnungen über die ehemalige Dorfkneipe an dieser Stelle gehen bis in das 17. Jahrhundert zurück.

1688 beklagte sich der Wertherbrucher Pfarrer Jacobus Copius über das „Schwelgen und Saufen“ anlässlich des Scheibenschießens, u.a. „an der Seiße“ (plattdeutsches Wort für „Sense“). Doch selbst noch im 20. Jahrhundert zogen die Schützen hierher oder trafen sich zu ihren Versammlungen – da half alles Predigen nichts!

Um 1700 war Jan Sleebuß der Wirt „ind Seyse“, wie die Schenke seinerzeit hieß. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde Gerhard Reßing zum „Seißen-Wirth“ („Sensenwirt“). Über mehrere Generationen blieb dessen Familie Eigentümer der Schenke.

1765 tagte das Wertherbrucher Gericht „auf der Sehsse“ in Grundstücksangelegenheiten (siehe a. Stele 24).

Im Adressbuch von 1880 ist Johann Rademacher aus Hoxfeld als Wirt aufgeführt. Daraus entstand die Redewendung: „… wir treffen uns bei Rademäker“.

Durch Einheiratungen wechselten die Inhabernamen zu „Roes“ und zu „Schlütter“.

Bis zu ihrer Schließung durch die Inhaber Schlütter wurde das Lokal nur als Schankwirtschaft geführt und nicht auch als Gastwirtschaft. Trinken war wichtiger als Essen!

Nach einem groß angelegten Umbau im Jahre 1982 betrieben mehrere Gastwirte das Lokal unter neuem Namen: „Zum Jäger“.

Endgültig schloss die Dorfschenke unmittelbar nach dem Schützenfest 1991.

Nachdem die Gemeinde Hamminkeln das Objekt gekauft hatte, wurde es zeitweise für Asylbewerber bereitgestellt.

Nach 2004 ist es von privater Hand zu Wohnzwecken umgebaut worden.

 

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