22 Alte Post

Gastwirtschaft, Handelsbetrieb und Post in einem Gebäude

Am 13. August 1883 gründeten einige Privatleute eine Vereinigung mit Namen „Casino“. Der offizielle Zweck war die „Hebung des geselligen Verkehrs und die Förderung der Eintracht sowie die Pflege patriotischer Zwecke und die Veranstaltung von Vorträgen über landwirtschaftliche Interessen“. Man darf vermuten, dass sich dahinter wohl auch das Interesse verbarg „geistige Getränke“ genießen zu können, was zu der Zeit des Deutschen Kaiserreichs in der Öffentlichkeit verpönt war“. Einer der Gründer der Gesellschaft war Diedrich Pelzer.

Am 1. September 1891 bewarb sich Pelzer bei der „Kaiserlichen Oberpostdirection“ in Münster um die Postagentur in Wertherbruch. Hierbei kam es zunächst nicht. 1896 bat Pelzer um die „gültige Erteilung der Konzession zum Betrieb der Gast- und Schankwirtschaft in seinem Hause Wertherbruch Nr. 80“, die im Folgejahr erteilt wurde.

Als der Sohn und spätere Ortsvorsteher Ludwig Pelzer 1909 die Gastwirtschaft übernahm, gehörten dazu ein Kleinhandel, ein Sattlergeschäft sowie eine Ackerwirtschaft. Die Gaststube befand sich vorne rechts, daneben der Laden, und links davon hinten eine Fremdenstube. Zwei weitere Gästezimmer befanden sich im Obergeschoss. Aus einer behördlichen Genehmigung ist zu ersehen, dass die Gaststube eine Größe von 4,50 x 5,70 Meter hatte und in der kälteren Jahreszeit mindestens „ein Wirtzimmer gehörig“ zu heizen war. Das Obergeschoss im Vorderhaus wurde vermutlich 1909 aufgestockt. Die Poststelle kam im Jahre 1911 hinzu.

Nachdem Ludwig Pelzer im 1. Weltkrieg gefallen war, heiratete seine Witwe erneut. Der Inhabername wechselte zu Berning und durch Eheschließung der Tochter zu Blecking.

Die Gastwirtschaft „Zur Post“ richtete häufiger das jährliche Schützenfest aus.

Im Raum der Poststelle war früher die Fernmeldevermittlungsstelle untergebracht. Bis zur Einrichtung des Selbstwählverkehrs 1934 mussten hier die Gespräche noch mit der Hand verbunden werden. Es gab damals etwa 60 Teilnehmer im Ort. Ansonsten ging man zur Post, wenn man telefonieren musste.

Die Wirtschaft „Zur Post“ wurde bis Ende 1964, das Ladengeschäft mit Lebensmitteln und täglichen Bedarf bis Ende 1971 betrieben. Die Poststelle wurde am 31. Dezember 1995 geschlossen.

 

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