19 Klevische Landwehr

Uralte Grenzanlage mit Streitpotential

Landwehren sind Bodendenkmäler. Errichtet als Wall-Graben-Anlagen wechseln sich meist ein bis drei Wälle mit Gräben ab. Mit dem Aushub der Gräben baute man die Wälle auf. Auf den Wällen ließ man undurchdringliche Hecken (z. B. Weißdorn, Hainbuchen, Weide, Schlehe und Brombeere) als Schutz vor Überfällen wuchern. Errichtung und Unterhalt mussten die Bewohner mittels Hacken, mit Eisen beschlagenen Spaten und Schubkarren leisten.

An gesicherten Durchlässen wurde Wegezoll erhoben. Auf einer Karte von 1573 sind in Wertherbruch am Kirchdeich (heute Provinzialstraße) der „Schlagbaum am Oberende“ und ein Durchlass am Kreuzweg Richtung Werth zu erkennen.

Die Entstehungszeit der Kleveschen Landwehr ist unbekannt. Viele Landwehren in der Region stammen aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts und fanden Anschluss an die Bruchgebiete mit ihren Entwässerungsgräben. Typisch hierfür ist das Zusammentreffen von Klevescher Landwehr und Seewall an Wertherbruchs Grenze (Stele 7). Die Klevesche Landwehr ist ein linksseitiger Nebenfluss der Issel. Sie durchfließt mit einer Gesamtlänge von 21,3 Kilometern Hamminkeln und bildet 6,4 Kilometer lang die Grenze zu Isselburg, wo sie in die Issel einmündet.

Um 1550 versuchte man durch Zeugenfragungen den Grenzverlauf zwischen Klever Gebiet und Wertherbruch sowie die Rechte an der Landwehr zu klären. Offen war zudem, ob die Wertherbrucher jenseits der Klever Landwehr mit ihren Sichten Plaggen mähen und Übergänge über die Landwehr errichten durften.

Im März 1608 rückte der Reeser Richter im klevischen Auftrag mit vielen Schützen und hunderten Bauern mit Büchsen, Spießen, Schüppen und Beilen an, „um die Landfesten der Herrlichkeit Wertherbruch durchzugraben“ und so Wertherbruch „unter Wasser zu setzen.“ Angeblich hatten die Wertherbrucher großen Schaden an Ländereien und Weiden verursacht. Die Klever forderten, dass „unverzüglich die zugedeichten und versperrten Orte eröffnet, die Zug- und Leigräben gesäubert und dem Wasser seinen Kurs gelassen werde.“ Mehrfach wurde der Wasserlauf durchgegraben und danach durch die Wertherbrucher geschlossen.

1632 erhielten zwei Wertherbrucher Geldstrafen, weil sie Brücken über die Landwehr errichtetet hatten.

Wertherbruch dürfte rundum mit Landwehren gesichert gewesen sein. Hinweise hierzu finden sich schon um 1550. Als sich das Dorf 1665 militärisch bedroht fühlte, wurden rund um den Ort die Durchlässe mit Schlagbäumen gesichert, zugemacht und wie die Landwehren besonders bewacht.

1663 wird als Abgrenzung für ein Grundstück „die Mittelwässerung oder neue Landwehr“ urkundlich genannt.

Nachdem die Landwehren ihre Schutzfunktion verloren hatten, nutzte man die Flächen häufig landwirtschaftlich.

Als „Klev´sche Landwehr“ wird auch der hiesige Nebenfluss der Issel bezeichnet. Er durchfließt mit einer Gesamtlänge von 21,3 Kilometern Hamminkeln und bildet 6,4 Kilometer lang die Grenze zu Isselburg, wo sie in die Issel einmündet.

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